Alsace

Domaine L ́Oriel ­ - Claude Weinzorn

48 WeinzornManchmal sind zufällige Begegnungen auf einem Parkplatz Anlass für eine Expedition ins vermeintlich eh Bekannte, aber in Wirklichkeit enden sie oft in Verwunderung über die eigene Ignoranz. So ähnlich erging es mir als ich Claude Weinzorn kennen lernte und mit ihm ins Gespräch geriet. Die versprochene Preisliste kam aber nie und ehrlicherweise war ich zwar neugierig gewesen, hatte aber wenig Interesse dem Elsass nach langjähriger Absenz wieder Aufmerksamkeit und Platz zu widmen. Bis dann vor einigen Wochen eine Flasche Pinot Gris und eine Preisliste ins Haus flatterten. Pinot Gris, warum nicht Riesling? Das rentierte keine Weinprobe, also auf damit und erledigt, dachte ich. Was dann folgte war eine Attacke an Frucht, Präzision und Mineralität wie man sie nur aus Deutschland kennt, aber hier war es nicht Schiefer sondern Granit, und das bei einem vermeintlich einfachen Wein. Da muss also mehr dahinter sein und wenn ich schon jedes Jahr mehrere Male am Elsaß vorbeifahre, müsste sich irgendwann eine Gelegenheit finden ... Die kam dann schneller als gedacht, als terminliche Probleme in der Champagne ein Fenster für einen Abstecher in die Berge hinter Colmar öffnete.

Die Familie von Claude Weinzorn wanderte im 17 Jhd. aus der Schweiz in die nach dem Dreißigjährigen Krieg nahezu verlassene Region ein und bearbeitet seither ununterbrochen Weinberge in Niedermorschwihr, nördlich von Turckheim. Heute umfasst die Domaine ca. 9 ha fast ausschließlich Grand Cru­-Lagen, vor allem Brand und Florimont sowie dem Herzstück in den extremen Steillagen des Sommerberg. Leiden und Leidenschaft liegen hier sehr nahe beieinander wie Claude Weinzorn aus schmerzlichen eigenen Erlebnissen berichten kann. Nur die Ernte der ältesten Rebstöcke wird als Grand Cru etikettiert, die jüngeren Rebanlagen bilden die Basis für die einfacheren Rebsorten­-Cuvées.

Die Weine sind in ihrer Jugend von einer sehr reintönigen frischen Frucht geprägt, die trotz ihrer relativ geringen Alkoholgrade sehr kompakt und kernig wirken. Erst mit zunehmendem Alter dringt die feine Mineralität richtig durch und verleiht den Weinen jene Präsenz am Gaumen, die den eigentlichen Rebsorten­-Charakter in den Hintergrund treten lässt. Voilà le terroir! Zum Glück gibt Claude Weinzorn seine besten Lagenweine erst mit einiger Verspätung und Reife in den Verkauf.

201? Riesling Grand Cru Sommerberg    €
201? Pinot Gris Grand Cru Sommerberg    €