Wein & Kritik

Berufsbedingt bin ich als Händler natürlich zu einer euphorischen Beschreibung meiner Weingüter geneigt. Ich halte es aber für ausgesprochen lächerlich wenn nicht unseriös, wenn ich meinen Weinen noch eine pseudo­-objektive persönliche Bewertung in Form von Punkten anfügen würde. Dazu gibt es genug Referenzen in der internationalen Weinpublizistik, die ich aber nicht unhinterfragt hier oder im Kontext meiner Weine stehen lassen möchte. Daher ein paar Gedanken zur Situation der internationalen Weinpublizistik, immer unter dem besonderen Blickwinkel der französischen Weine.

Niemand kann als Person mehr die Vielfalt der heute angebotenen und interessanten Weine dieser Welt überblicken. Vor 25 Jahren war das vergleichsweise noch einfach, in Burgund oder dem Rhônetal gab es vielleicht zwanzig bis dreißig interessante Betriebe, heute hat sich diese Zahl enorm vergrößert, Quantität und Qualität der Weine sind in der Breite enorm gestiegen, wer soll das alles beschreiben?

In komplexeren Regionen wie z.B. Burgund gibt es überhaupt nur eine kleine Handvoll von Journalisten, die einigermaßen Einblick und Überblick bewahren können. Aber auch wenn wie die z.B. von mir sehr geschätzten Neil Martin oder Allen Meadows Wochen und Monate in Burgund verbringen, wie oft haben diese die Gelegenheit mehr als ein paar Weine wiederholt zu probieren und vielleicht auch tatsächlich zu trinken? In der Regel fällt die meiste Aufmerksamkeit dann doch auf die bekannten, größeren und natürlich teureren Weine, deren Produzenten sich diese Aufmerksamkeit leisten können. Die Hoffnung, dass sich durch die sehr aktive Wein-­Bloggerszene im internet so etwas wie eine Demokratisierung oder unabhängige Information erschließt, kann ich nicht bestätigen. Die meisten offenen Weinblogs sind bemüht, aber inhaltlich zu kursorisch um überhaupt relevant zu sein. Da viele Weinblogger oder Freelancer in der Weinszene auch nicht von der Luft allein leben, lassen sich viele ihre Spesen und Artikel mehr oder weniger bezahlen, schreiben also über alles. Wenn dann also wieder einmal das "next big thing" an irgendeinem Vulkan was weiß ich wo ausgerufen wird, vergessen Sie es.

Hochwertiger Wein­-Journalismus ist ein extrem spezialisiertes und informationsbasiertes Metier, das seine Erwartungen aus meiner Sicht nur erfüllen kann, wenn diese Bedingungen vorhanden sind: nur wer regelmäßig, kontinuierlich und umfassend über eine Weinregion berichtet, ist es Wert gelesen zu werden, der Rest ist meist mehr oder weniger gute Unterhaltung.

Empfehlenswert und lesenswert sind für mich aktuell vor allem die folgenden im internet abrufbaren Publikationen: